
Sonnenfinsternis fotografieren: die komplette Foto-Anleitung
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Ein zertifizierter Sonnenfilter der Schutzstufe ND 5,0 ist das einzige Ausrüstungsteil ohne Kompromiss: Ohne ihn zerstört die gebündelte Sonnenstrahlung in Sekunden Verschluss und Sensor, beim Blick durch den optischen Sucher auch dein Auge. Alles andere an einer Finsternis-Aufnahme ist Handwerk, das sich vorher üben lässt.
Eine Sonnenfinsternis gibt dir genau einen Versuch. Kein zweites Take, keine Wiederholung. Deshalb entscheidet die Vorbereitung mehr als die Ausrüstung. Du brauchst keine 3.000-Euro-Teleoptik, aber einen Plan, einen geprüften Filter und Handgriffe, die du blind beherrschst.
Diese Anleitung führt dich durch jede Phase: vom Schutz der Kamera in den Partialphasen über die passende Brennweite am Crop-Sensor bis zur Belichtung der filigranen Korona während der Totalität. Sie ist für ambitionierte Einsteiger geschrieben: Wer die Kamera im manuellen Modus bedienen kann, schafft auch dieses Foto.

Die nächsten Sonnenfinsternisse: wann sich die Reise lohnt
Nach der totalen Finsternis vom 12. August 2026 läuft über Spanien eine Serie, wie es sie in Europa seit Jahrzehnten nicht gab: drei Sonnenfinsternisse in zweieinhalb Jahren. Für Fotografen aus Deutschland ist das die realistischste Gelegenheit auf eine Totalität überhaupt, denn hierzulande steht die nächste totale Sonnenfinsternis erst am 3. September 2081 am Himmel.
| Datum | Art | Sichtbar in | Was das fototechnisch heißt |
|---|---|---|---|
| 2. August 2027 | total | Südspanien (Tarifa, Gibraltar, Cádiz, Málaga), Nordmarokko, Ägypten | Tarifa hat mit 4:39 Minuten die längste Totalität Spaniens, gegen 10:45 Uhr CEST. Die Sonne steht hoch: lange Brennweiten funktionieren hier. |
| 26. Januar 2028 | ringförmig | Südportugal, Süd- und Ostspanien (Sevilla, Córdoba, Málaga, Granada, Alicante, Palma) | „Ring of Fire" über 7 Minuten in Sevilla und Córdoba, kurz vor Sonnenuntergang. Der Filter bleibt die ganze Zeit drauf. |
| 3. September 2081 | total | Deutschland | Die nächste Totalität ohne Reise. |
Deutschland erlebt 2027 und 2028 jeweils nur eine Partialphase. Die ist fotografisch trotzdem lohnend und braucht exakt dieselbe Filtertechnik wie unten beschrieben, nur fällt der Moment weg, in dem der Filter herunterkommt. Wer die Totalität sehen will, muss reisen, und beide Termine liegen weit genug voraus, um Ausrüstung und Abläufe in Ruhe zu testen.
Für die Finsternis am 2. August 2027 steht die Standortfrage schon fest an: Südspanien liegt in der Totalitätszone, und die Unterschiede zwischen den Orten sind größer als die zwei Minuten Dauer vermuten lassen. Welche Lage für Fotografen taugt, steht in Sonnenfinsternis 2027: Standortwahl in Südspanien.
Wie hoch die Sonne steht, entscheidet deine Bildplanung
Die erste Frage bei jeder Finsternis lautet nicht „welches Objektiv", sondern „wie hoch steht die Sonne". Denn davon hängt alles ab. Steht sie hoch am Himmel, wie am 2. August 2027 über Tarifa gegen 10:45 Uhr, hast du ruhige Luft und kannst mit langer Telebrennweite die Korona formatfüllend herausarbeiten. Steht sie dagegen dicht über dem Horizont, wie 2026 über Spanien oder 2028 kurz vor Sonnenuntergang, kämpft jede Brennweite jenseits von etwa 400 Millimetern gegen massive Luftunruhe: Die warme bodennahe Luft flimmert und macht die Aufnahme weich und matschig.
Bei tiefem Sonnenstand drehst du den Nachteil deshalb um. Eine tief stehende, verfinsterte Sonne lässt sich wunderbar mit einem Vordergrund kombinieren: Küstenlinie, Bergkamm, Silhouetten von Gebäuden oder Bäumen. Genau diese Weitwinkel- bis Normalbrennweiten-Aufnahmen erzählen eine Geschichte, während ein isolierter Korona-Ring technisch beeindruckt, aber austauschbar wirkt.
Der zweite Unterschied ist die Umgebungshelligkeit. Fällt die Totalität in die Dämmerung, ist der Himmel ohnehin dunkler, das Schauspiel wirkt dramatischer, und die Belichtungszeiten werden länger, was ein bombenfestes Stativ erzwingt. Bei einer Vormittagsfinsternis wie 2027 bleibt der Resthimmel heller, dafür bekommst du die schärferen Korona-Details. Prüfe die Sonnenhöhe für deinen konkreten Standort deshalb, bevor du über Ausrüstung nachdenkst.
Sonnenfilter: das einzige nicht verhandelbare Stück Ausrüstung
Während der gesamten Partialphasen, also alles vor und nach den 90 Sekunden Totalität, zeigt deine Optik auf die ungefilterte Sonne. Ohne Schutzfilter zerstört das gebündelte Sonnenlicht innerhalb von Sekunden den Bildsensor und kann den Verschluss verformen. Ein normaler Grau- oder Polfilter reicht nicht: Er blockt sichtbares Licht, lässt aber Infrarot durch.
Der bewährte Standard ist eine zertifizierte Sonnenfilterfolie mit der Dichte ND 5,0, etwa Baader AstroSolar. Diese Folie reduziert das Sonnenlicht um den Faktor 100.000 und ist sowohl für die Kamera als auch für das Auge sicher. Du spannst sie spannungsfrei vor die Frontlinse, fertige Filterzellen oder eine selbstgebaute Halterung aus Pappe funktionieren beide. Glas-Sonnenfilter sind hochwertiger, aber teurer und schwerer; für eine einzelne Finsternis ist die Folie die pragmatische Wahl.
Wichtig: ND-Filter aus dem Landschaftsfoto-Sortiment, selbst gestapelte ND1000-Filter, sind kein Ersatz. Ihre optische Dichte reicht nicht und sie filtern das schädliche Spektrum nicht zuverlässig. Greife zu einem Produkt, das explizit als Sonnenfilter zertifiziert ist, eine geeignete Sonnenfilter-Folie bei Amazon kostet nur wenige Euro und ist die wichtigste Investition für diesen Tag.
Die Ausrüstung für eine Sonnenfinsternis
Drei Teile entscheiden über gelungene Aufnahmen, der zertifizierte Filter ist Pflicht, Teleobjektiv und Stativ machen den Unterschied.
- 🔆 Sonnenfilter-Folie (ISO 12312-2, OD 5.6), das einzige nicht verhandelbare Teil, ohne das du Kamera und Augen ruinierst. Bei Amazon ansehen →
- 🔭 Sony 55-210mm OSS Teleobjektiv (APS-C), 210 mm ergeben an der A6400 rund 315 mm, genug, um die Sonnenscheibe formatfüllend einzufangen. Bei Amazon ansehen →
- 📐 K&F Concept Aluminium-Stativ, bei langer Brennweite verwackelt jede freihändige Aufnahme; ein stabiler Aufbau ist Voraussetzung. Bei Amazon ansehen →
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Welcher Filtertyp zu deinem Objektiv passt und woran sich ein unsicherer erkennen lässt, hat der Sonnenfilter-Vergleich im Detail.
Brennweite und Crop-Faktor an der Sony A6400
Die Sony Alpha 6400 hat einen APS-C-Sensor mit dem Crop-Faktor 1,5. Eine aufgedruckte Brennweite von 200 Millimetern entspricht also dem Bildwinkel von 300 Millimetern an einer Vollformatkamera. Das ist beim Planen der Bildgröße entscheidend.
Für ein formatfüllendes Sonnenporträt brauchst du an APS-C real etwa 300 bis 400 Millimeter, das übliche Telezoom 55-210 mm reicht knapp, ein 70-350 mm trifft es ideal. Bei der erwähnten Horizontnähe der Sonne solltest du aber bewusst kürzer bleiben: Mit 100 bis 200 Millimetern bekommst du Sonne plus etwas Umgebung scharf, ohne dass die Luftunruhe das Bild zerstört.
Für die Landschafts-Variante mit der tief stehenden Finsternis ist ein Weitwinkel zwischen 16 und 35 Millimetern goldrichtig. Die Sonne erscheint dann nur als kleiner Punkt, aber Himmelsverlauf, Horizont und Vordergrund ergeben zusammen ein stimmungsvolles Gesamtbild. Genau diese Aufnahme gelingt mit deinem Kit-Objektiv problemlos.
Kamera-Einstellungen Phase für Phase
Stell die Kamera komplett auf manuell, Modus M, manueller Fokus, manueller Weißabgleich. Der Autofokus findet auf der gefilterten Sonnenscheibe keinen Halt und jagt ständig. Fokussiere stattdessen im vergrößerten Live-View von Hand exakt auf den Sonnenrand und lass den Fokusring danach in Ruhe. Den Weißabgleich setzt du fest auf Tageslicht (etwa 5500 Kelvin), damit die Farbe über alle Aufnahmen konstant bleibt.
In den Partialphasen mit Filter arbeitest du mit niedrigem ISO und mittlerer Blende. Die Sonnensichel ist trotz Filter noch hell genug für kurze Verschlusszeiten. Sobald die Totalität beginnt, nimmst du den Filter ab, und plötzlich ist das Motiv extrem dunkel. Jetzt geht es um die Korona, den silbrigen Strahlenkranz, der einen riesigen Helligkeitsumfang hat: die innere Korona ist hell, die äußeren Strahlen sind zart.
Deshalb ist eine Belichtungsreihe Pflicht. Stell deine A6400 auf Belichtungsreihen-Automatik (Bracketing) und nimm Serien mit mehreren Blendenstufen Abstand auf, von kurz für die innere Korona bis lang für die äußeren Strahlen und eventuell sichtbare Protuberanzen. So fängst du den gesamten Dynamikumfang ein und entscheidest später am Rechner, welche Belichtung du nutzt oder ob du mehrere zusammenrechnest.
| Phase | Filter | ISO | Blende | Verschlusszeit |
|---|---|---|---|---|
| Partialphase (Sonnensichel) | ND 5,0 Folie | 100 | f/8 | 1/250, 1/1000 s |
| Diamantring-Effekt | kein Filter | 200 | f/8 | 1/2000 s |
| Totalität, innere Korona | kein Filter | 200–400 | f/8 | 1/500, 1/60 s |
| Totalität, äußere Korona | kein Filter | 400–800 | f/5,6 | 1/15, 1 s |
Die Werte sind Startpunkte, keine Gesetze, die tiefe Sonnenposition und der gedämpfte Dämmerungshimmel verschieben sie nach unten. Genau dafür ist das Bracketing da: Du deckst den Bereich mit einer Serie ab, statt einen einzelnen Wert zu erraten.
Stativ, Fernauslöser und stabiler Aufbau
Ein stabiles Stativ ist bei diesem Motiv keine Komfortfrage, sondern Voraussetzung. Die Belichtungszeiten während der Totalität reichen bis in den Sekundenbereich, und jede Erschütterung verwischt die feinen Korona-Strahlen. Spar nicht am Stativkopf, ein wackeliger Kugelkopf macht das beste Stativbein wertlos.
Löse die Kamera nie mit dem Finger aus. Nutze einen Fernauslöser oder die Sony-App auf dem Smartphone, alternativ den Selbstauslöser mit zwei Sekunden Vorlauf. Aktiviere zusätzlich den elektronischen ersten Verschlussvorhang, um Verschlussvibrationen zu minimieren. Bei längeren Belichtungen verhindert das sichtbar weichere Ergebnisse.
Achte auf den Standuntergrund. Auf weichem Boden, Sand oder einer Aussichtsplattform überträgt sich jeder Schritt anderer Beobachter auf dein Stativ. Drücke die Beine fest ein, hänge bei Wind deine Fototasche an den Mittelhaken und stell dich so hin, dass du das Display ablesen kannst, ohne gegen das Stativ zu stoßen.
Den richtigen Standort wählen
Schlag zuerst nach, in welcher Himmelsrichtung und in welcher Höhe die Sonne an deinem Standort zur Totalität steht. Bei hoch stehender Sonne, wie am 2. August 2027 in Andalusien, ist die Standortwahl entspannt: Du brauchst vor allem freien Himmel und eine Fläche für das Stativ. Steht die Sonne dagegen tief, verdeckt schon eine niedrige Hügelkette, eine Häuserzeile oder eine Baumreihe die Totalität komplett. Dann ist ein erhöhter Punkt mit offener Sicht Pflicht, und eine Küstenlinie wirkt zugleich als Vordergrund für die Landschafts-Variante.
Der zweite Faktor ist das Wetter. Die Totalitätszone am 2. August 2027 läuft über die Straße von Gibraltar, wo im Hochsommer statistisch gute Bedingungen herrschen, aber der Ostwind Levante binnen Stunden Wolken an die Küste drücken kann. Plane deshalb einen Standort, den du am Morgen des Termins noch um 50 bis 100 Kilometer verlegen kannst, statt dich Monate vorher auf einen einzigen Aussichtspunkt festzulegen.
Wie so eine Standortplanung im Detail aussieht, zeigt der Sonnenfinsternis-Hub von Move2Mallorca für die Finsternis 2026: interaktive Karte mit Beobachtungsplätzen, Hinweise zu Anreise und Sichtachse. Dieselbe Systematik, also Sichtachse prüfen, Ausweichpunkt festlegen und vorher einmal hinfahren, trägt dich auch durch die Planung für 2027 und 2028.

Test vor dem Termin und Material-Check
Probiere deinen kompletten Aufbau mindestens einmal vorher aus, am besten an einem normalen Sonnentag. Setze den Filter auf, fokussiere im Live-View auf den Sonnenrand, fotografiere die ungefinsterte Sonne und prüfe am Rechner, ob sie scharf und richtig belichtet ist. So merkst du rechtzeitig, ob Brennweite, Filterhalterung und Fokussierung zusammenpassen.
Akkus und Speicherkarten sind die häufigsten Spielverderber. Eine Belichtungsreihe füllt schnell die Karte, und im RAW-Format brauchst du Platz. Nimm mindestens zwei geladene Akkus und zwei Karten mit. Fotografiere grundsätzlich in RAW, der Spielraum bei Weißabgleich und Lichtern ist bei einem Motiv mit so hohem Kontrast unverzichtbar.
Erstelle dir einen Ablaufplan auf Papier oder im Smartphone: Wann beginnt die erste Partialphase, wann die Totalität, wann ist sie vorbei. Notiere die Einstellungswerte je Phase groß und lesbar. In den entscheidenden Minuten willst du nicht im Menü suchen, sondern nur noch auslösen und den Anblick genießen.
Das Wichtigste in Kürze
Eine Sonnenfinsternis ist ein Fotomotiv mit nur einem Versuch. Ein zertifizierter Sonnenfilter mit ND 5,0 ist für alle Partialphasen Pflicht und schützt Sensor und Auge; abgenommen wird er ausschließlich während einer totalen Phase, bei einer ringförmigen Finsternis nie. Der nächste realistische Termin für Fotografen aus Deutschland ist der 2. August 2027 über Südspanien.
An einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 reichen 100 bis 200 Millimeter für Sonne plus Umgebung; steht die Sonne hoch, lohnen längere Brennweiten für die Korona, für die Landschafts-Variante ist ein Weitwinkel ideal. Arbeite komplett manuell, fokussiere von Hand auf unendlich, fixiere den Weißabgleich und fang die Korona mit einer Belichtungsreihe ein.
Stabiles Stativ, Fernauslöser, zwei Akkus, zwei Karten, RAW-Format und ein Probelauf vor dem Termin, damit hast du alle Stellschrauben in der Hand. Wähle einen Standort mit freier Sicht auf die Sonnenposition, halte einen Ausweichpunkt für Wolken bereit, übe den Filterwechsel blind. Dann bleibt dir am Finsternistag nur noch eine Aufgabe: auslösen und den Moment erleben.
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Das nächste Himmelsereignis braucht keine Reise: Die Geminiden im Dezember lassen sich mit derselben Ausrüstung fotografieren, nur mit umgekehrten Einstellungen. Wie das geht, steht in Sternschnuppen fotografieren.
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Veröffentlicht durch die Pixelscharf-Redaktion. Veröffentlicht am 19. Mai 2026. Aktualisiert am 4. Oktober 2026.
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