
Sonnenfinsternis 2026 fotografieren: die Foto-Anleitung
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Am 12. August 2026 schiebt sich der Mond für rund 90 Sekunden komplett vor die Sonne — die erste über Europa sichtbare totale Sonnenfinsternis seit 1999. In Spanien, unter anderem auf Mallorca, fällt die Totalität in die Abenddämmerung: Über Palma steht die verfinsterte Sonne gegen 20:31 Uhr CEST nur etwa 2,5 Grad über dem Horizont, Richtung Westnordwest. Diese extrem tiefe Sonnenposition ist gleichzeitig die größte technische Hürde und die schönste gestalterische Chance dieses Ereignisses.
Wer das Schauspiel mit der Kamera festhalten will, hat genau einen Versuch. Es gibt kein zweites Take, keine Wiederholung. Deshalb entscheidet die Vorbereitung mehr als die Ausrüstung. Du brauchst keine 3.000-Euro-Teleoptik, aber du brauchst einen Plan, einen geprüften Sonnenfilter und eingeübte Handgriffe.
Diese Anleitung führt dich durch jede Phase: vom Schutz deiner Kamera in den Partialphasen über die richtige Brennweite an einer APS-C-Kamera bis zur Belichtung der filigranen Korona während der Totalität. Sie ist für ambitionierte Einsteiger geschrieben — wenn du deine Kamera im manuellen Modus bedienen kannst, schaffst du auch dieses Foto.

Warum diese Finsternis fototechnisch besonders ist
Die meisten Finsternis-Anleitungen gehen von einer hoch stehenden Sonne aus. Am 12. August 2026 ist das anders: Die Sonne steht zur Totalität fast auf dem Horizont. Das verändert deine Bildplanung grundlegend. Eine lange Telebrennweite, die die Sonne formatfüllend abbildet, kämpft horizontnah gegen massive Luftunruhe — die warme Abendluft flimmert und macht jede Aufnahme jenseits von etwa 400 Millimetern weich und matschig.
Statt das als Nachteil zu sehen, drehst du es um. Eine tief stehende, verfinsterte Sonne lässt sich wunderbar mit einem Vordergrund kombinieren: Küstenlinie, Bergkamm, Silhouetten von Gebäuden oder Bäumen. Genau diese Weitwinkel- bis Normalbrennweiten-Aufnahmen erzählen eine Geschichte, während ein isolierter Korona-Ring technisch beeindruckt, aber austauschbar wirkt.
Die zweite Besonderheit ist die Helligkeit. In der Dämmerung ist der Himmel ohnehin schon dunkler als bei einer Mittagsfinsternis. Die Totalität wirkt dadurch dramatischer, du brauchst aber auch ruhigere Hände beziehungsweise ein bombenfestes Stativ, weil die Belichtungszeiten länger werden.
Sonnenfilter: das einzige nicht verhandelbare Stück Ausrüstung
Während der gesamten Partialphasen — also alles vor und nach den 90 Sekunden Totalität — zeigt deine Optik auf die ungefilterte Sonne. Ohne Schutzfilter zerstört das gebündelte Sonnenlicht innerhalb von Sekunden den Bildsensor und kann den Verschluss verformen. Ein normaler Grau- oder Polfilter reicht nicht: Er blockt sichtbares Licht, lässt aber Infrarot durch.
Der bewährte Standard ist eine zertifizierte Sonnenfilterfolie mit der Dichte ND 5,0, etwa Baader AstroSolar. Diese Folie reduziert das Sonnenlicht um den Faktor 100.000 und ist sowohl für die Kamera als auch für das Auge sicher. Du spannst sie spannungsfrei vor die Frontlinse — fertige Filterzellen oder eine selbstgebaute Halterung aus Pappe funktionieren beide. Glas-Sonnenfilter sind hochwertiger, aber teurer und schwerer; für eine einzelne Finsternis ist die Folie die pragmatische Wahl.
Wichtig: ND-Filter aus dem Landschaftsfoto-Sortiment, selbst gestapelte ND1000-Filter, sind kein Ersatz. Ihre optische Dichte reicht nicht und sie filtern das schädliche Spektrum nicht zuverlässig. Greife zu einem Produkt, das explizit als Sonnenfilter zertifiziert ist — eine geeignete Sonnenfilter-Folie bei Amazon kostet nur wenige Euro und ist die wichtigste Investition für diesen Tag.
Brennweite und Crop-Faktor an der Sony A6400
Die Sony Alpha 6400 hat einen APS-C-Sensor mit dem Crop-Faktor 1,5. Eine aufgedruckte Brennweite von 200 Millimetern entspricht also dem Bildwinkel von 300 Millimetern an einer Vollformatkamera. Das ist beim Planen der Bildgröße entscheidend.
Für ein formatfüllendes Sonnenporträt brauchst du an APS-C real etwa 300 bis 400 Millimeter — das übliche Telezoom 55-210 mm reicht knapp, ein 70-350 mm trifft es ideal. Bei der erwähnten Horizontnähe der Sonne solltest du aber bewusst kürzer bleiben: Mit 100 bis 200 Millimetern bekommst du Sonne plus etwas Umgebung scharf, ohne dass die Luftunruhe das Bild zerstört.
Für die Landschafts-Variante mit der tief stehenden Finsternis ist ein Weitwinkel zwischen 16 und 35 Millimetern goldrichtig. Die Sonne erscheint dann nur als kleiner Punkt, aber Himmelsverlauf, Horizont und Vordergrund ergeben zusammen ein stimmungsvolles Gesamtbild. Genau diese Aufnahme gelingt mit deinem Kit-Objektiv problemlos.
Kamera-Einstellungen Phase für Phase
Stell die Kamera komplett auf manuell — Modus M, manueller Fokus, manueller Weißabgleich. Der Autofokus findet auf der gefilterten Sonnenscheibe keinen Halt und jagt ständig. Fokussiere stattdessen im vergrößerten Live-View von Hand exakt auf den Sonnenrand und lass den Fokusring danach in Ruhe. Den Weißabgleich setzt du fest auf Tageslicht (etwa 5500 Kelvin), damit die Farbe über alle Aufnahmen konstant bleibt.
In den Partialphasen mit Filter arbeitest du mit niedrigem ISO und mittlerer Blende. Die Sonnensichel ist trotz Filter noch hell genug für kurze Verschlusszeiten. Sobald die Totalität beginnt, nimmst du den Filter ab — und plötzlich ist das Motiv extrem dunkel. Jetzt geht es um die Korona, den silbrigen Strahlenkranz, der einen riesigen Helligkeitsumfang hat: die innere Korona ist hell, die äußeren Strahlen sind zart.
Deshalb ist eine Belichtungsreihe Pflicht. Stell deine A6400 auf Belichtungsreihen-Automatik (Bracketing) und nimm Serien mit mehreren Blendenstufen Abstand auf — von kurz für die innere Korona bis lang für die äußeren Strahlen und eventuell sichtbare Protuberanzen. So fängst du den gesamten Dynamikumfang ein und entscheidest später am Rechner, welche Belichtung du nutzt oder ob du mehrere zusammenrechnest.
| Phase | Filter | ISO | Blende | Verschlusszeit |
|---|---|---|---|---|
| Partialphase (Sonnensichel) | ND 5,0 Folie | 100 | f/8 | 1/250 – 1/1000 s |
| Diamantring-Effekt | kein Filter | 200 | f/8 | 1/2000 s |
| Totalität – innere Korona | kein Filter | 200–400 | f/8 | 1/500 – 1/60 s |
| Totalität – äußere Korona | kein Filter | 400–800 | f/5,6 | 1/15 – 1 s |
Die Werte sind Startpunkte, keine Gesetze — die tiefe Sonnenposition und der gedämpfte Dämmerungshimmel verschieben sie nach unten. Genau dafür ist das Bracketing da: Du deckst den Bereich mit einer Serie ab, statt einen einzelnen Wert zu erraten.
Stativ, Fernauslöser und stabiler Aufbau
Ein stabiles Stativ ist bei diesem Motiv keine Komfortfrage, sondern Voraussetzung. Die Belichtungszeiten während der Totalität reichen bis in den Sekundenbereich, und jede Erschütterung verwischt die feinen Korona-Strahlen. Spar nicht am Stativkopf — ein wackeliger Kugelkopf macht das beste Stativbein wertlos.
Löse die Kamera nie mit dem Finger aus. Nutze einen Fernauslöser oder die Sony-App auf dem Smartphone, alternativ den Selbstauslöser mit zwei Sekunden Vorlauf. Aktiviere zusätzlich den elektronischen ersten Verschlussvorhang, um Verschlussvibrationen zu minimieren. Bei längeren Belichtungen verhindert das sichtbar weichere Ergebnisse.
Achte auf den Standuntergrund. Auf weichem Boden, Sand oder einer Aussichtsplattform überträgt sich jeder Schritt anderer Beobachter auf dein Stativ. Drücke die Beine fest ein, hänge bei Wind deine Fototasche an den Mittelhaken und stell dich so hin, dass du das Display ablesen kannst, ohne gegen das Stativ zu stoßen.
Den richtigen Standort wählen
Weil die Sonne nur 2,5 Grad über dem Horizont steht, brauchst du freie Sicht nach Westnordwest. Schon eine niedrige Hügelkette, eine Häuserzeile oder eine Baumreihe in dieser Richtung verdeckt die Totalität komplett. Ein erhöhter Punkt mit offenem Blick aufs Meer ist ideal — die Küste wirkt zugleich als Vordergrund für die Landschafts-Variante.
Mallorca liegt im Bereich der Totalität und bietet etliche Westküsten-Aussichtspunkte, die genau diese freie Horizontlinie haben. Wenn du die Finsternis dort fotografieren willst, lohnt sich eine sorgfältige Standortrecherche im Vorfeld, inklusive Probebesuch bei Sonnenuntergang am selben Wochentag.
Wer einen konkreten Beobachtungsplatz auf der Insel sucht, findet im Sonnenfinsternis-Hub von Move2Mallorca eine interaktive Karte mit den besten Beobachtungsplätzen sowie Hinweise zu Anreise und Standortwahl. Das nimmt dir die Suche nach einem Punkt mit freier Westsicht ab, sodass du dich ganz auf die Fototechnik konzentrieren kannst.

Test vor dem Termin und Material-Check
Probiere deinen kompletten Aufbau mindestens einmal vorher aus — am besten an einem normalen Sonnentag. Setze den Filter auf, fokussiere im Live-View auf den Sonnenrand, fotografiere die ungefinsterte Sonne und prüfe am Rechner, ob sie scharf und richtig belichtet ist. So merkst du rechtzeitig, ob Brennweite, Filterhalterung und Fokussierung zusammenpassen.
Akkus und Speicherkarten sind die häufigsten Spielverderber. Eine Belichtungsreihe füllt schnell die Karte, und im RAW-Format brauchst du Platz. Nimm mindestens zwei geladene Akkus und zwei Karten mit. Fotografiere grundsätzlich in RAW — der Spielraum bei Weißabgleich und Lichtern ist bei einem Motiv mit so hohem Kontrast unverzichtbar.
Erstelle dir einen Ablaufplan auf Papier oder im Smartphone: Wann beginnt die erste Partialphase, wann die Totalität, wann ist sie vorbei. Notiere deine Einstellungswerte je Phase groß und lesbar. In den entscheidenden 90 Sekunden willst du nicht im Menü suchen, sondern nur noch auslösen und den Anblick genießen.
Das Wichtigste in Kürze
Die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 ist ein Fotomotiv mit nur einem Versuch — und die tief stehende Sonne macht sie zugleich anspruchsvoll und gestalterisch reizvoll. Ein zertifizierter Sonnenfilter mit ND 5,0 ist für alle Partialphasen Pflicht und schützt Sensor und Auge. Abgenommen wird er ausschließlich während der kurzen Totalität.
An der Sony A6400 mit ihrem APS-C-Crop von 1,5 reichen 100 bis 200 Millimeter für Sonne plus Umgebung; für die Landschafts-Variante mit der tiefen Finsternis ist ein Weitwinkel ideal. Arbeite komplett manuell, fokussiere von Hand auf unendlich, fixiere den Weißabgleich und fang die Korona mit einer Belichtungsreihe ein.
Stabiles Stativ, Fernauslöser, zwei Akkus, zwei Karten, RAW-Format und ein Probelauf vor dem Termin — damit hast du alle Stellschrauben in der Hand. Wähle einen Standort mit freier Sicht nach Westnordwest, übe den Filterwechsel blind, und dann bleibt dir am Finsternistag nur noch eine Aufgabe: auslösen und den Moment erleben.
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Veröffentlicht durch die Pixelscharf-Redaktion. Veröffentlicht am 19. Mai 2026.
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